#76 - Interview mit Vera Zischke

Shownotes

Heute habe ich Vera Zischke zu Gast. Sie ist dreifache Mutter, pflegend und Autorin. Als Gästin habe ich sie vor allem wegen ihres aktuellen Buches eingeladen, dass mich auf einer langen Autofahrt ebenso kalt erwischt, wie auch tief berührt und mit einer liebevollen Zukunftsbetrachtung zurückgelassen hat.

Sie hat "Pina fällt aus" geschrieben und ist darin sowohl ihrer eigenen Angst, als auch der vieler anderer pflegenden Eltern begegnet: dass die Hauptbezugsperson eines Menschen mit Behinderung von einem Tag auf den anderen ausfällt.

Mit ihr möchte ich darüber sprechen, was es bedeutet, durch die Augen, seiner Romanfiguren auf Ängste und Sorgen zu blicken, die dem eigenen echten Leben anhaften. Wie viel echte Zuversicht sie trägt und wie das Erweitern eindimensionaler Betrachtung von Menschen uns mehr Gemeinschaft und Sicherheit schenken kann.

Viel Freude beim Zuhören, Reinfühlen und Verstehen.

Alles Liebe Ini

Mein Name ist Ini Martius und ich bin Emotions Mastercoaching für pflegende Elternteile und Paare. Um Austausch, Impulse und das Arbeiten an deinen Themen an einem digitalen Ort zu vereinen, habe ich 2025 die "ausserordentlich & glücklich - Akademie" gegründet.

Im Podcast nehme ich dich mit in meine Erkenntnisse und Prozesse, sowie in emotionale Interviews mit GästInnen, die selbst eine außerordentliche und glückliche Lebensgeschichte mit dir teilen. Falls du Fragen an mich hast oder dir auch Begleitung und Unterstützung wünschst, wende dich an hallo@ausserordentlichgluecklich.de

Wir freuen uns, dich und deine Geschichte kennenzulernen!

Dieser Podcast ist eine Produktion der außerordentlich & glücklich-Akademie 2026

Idee: Irina Martius Konzeption: Irina Martius & Nadine Querfurth Produktion / Schnitt / Gäste-Management: Nadine Querfurth (@nadinequer)

Instagram: @ausserordentlich_gluecklich

Transkript anzeigen

00:00:09: Hallo und herzlich willkommen bei außerordentlichem Glücklich, dem Podcast über das echte Leben.

00:00:14: Seine Herausforderung und wie man das Glück darin findet!

00:00:18: Mein Name ist Inimacius.

00:00:20: Ich bin Emotionscoachin Und die Stimme hinter der gleichnamigen Akademie, dem Insta-Account

00:00:25: & Blog.

00:00:30: Heute habe ich Vera Zischke zu Gast.

00:00:32: Sie ist dreifache Mutter, pflegend und Autorin.

00:00:35: Als gestern habe ich sie vor allem wegen ihres aktuellen Buches eingeladen, das mich auf einer langen Autofahrt ebenso sehr kalt erwischt wie tief gerührt und mit einer liebevollen Zukunftsbetrachtung zurückgelassen hat.

00:00:45: Sie hat Pina Feld ausgeschrieben und ist darin sowohl ihrer eigenen Angst als auch der vieler anderer pflegenden Eltern begegnet dass die Hauptbezugsperson eines Menschen mit Behinderungen von einem Tag auf den anderen ausfällt.

00:00:57: Mit ihr möchte ich darüber sprechen, was es bedeutet durch die Augen seiner Romanfiguren auf Ängste und Sorgen zu blicken, die dem eigenen echten Leben anhaften.

00:01:05: Wie viel echte Zuversicht sie trägt und wie das erweitern eindimensionaler Betrachtung von Menschen uns mehr Gemeinschaft und Sicherheit schenken kann.

00:01:13: Viel Freude beim Zuhören, reinfühlen und verstehen!

00:01:29: Ich

00:01:30: freu mich riesig, dass du da bist.

00:01:33: Wirklich ganz doll und von ganzem Herzen auch auf dieses

00:01:35: Gespräch.".

00:01:36: Du hattest mich als Leserin schon gewonnen, als du aber lieb noch geschrieben hast durch diese sehr ehrliche Erzählweise dem Blick auf die Charaktere hinter ihrem persönlichen Fakten- und Lebenssituationen und die einfach zugänglichen Bilder, die deine Sprache so schafft.

00:01:50: Und das was ich eben zu dem Zeitpunkt noch gar nicht wusste ist, dass wir ein Stück Lebensrealität teilen nämlich pflegende Eltern schauen.

00:01:58: Als ich über deinen Insta-Kanal von der Arbeit an deinem neuen Buch gelesen habe, wie viel Anlauf es dich auch gekostet hat den Sprung in Pinas Ausfall zu wagen.

00:02:08: Da hatte ich noch gar keine Seite von deinem Buch gelesene.

00:02:10: ehrlich gesagt und trotzdem die Vorahnung von dieser Tiefe, die mich darin erwarten würde.

00:02:15: Du bist selbst Mutter eines Kindes mit frühkindlichen Autismus.

00:02:19: Und schreibst deine Geschichte über eine alleine zehnende Mutter ohne Hilfssystem Dass nach zwanzig Jahren Anstrengungen über die eigenen Kräfte hinaus nicht anders kann als auszufallen.

00:02:30: Mit dir möchte ich über den Nut sprechen, diesem Aus und allem was daran hängt zu begegnen!

00:02:36: Ich möchte mit dir über die komischen Eigenheiten der offensichtlich Andersartigen und der augenscheinlich Normalen sprechen.

00:02:41: Ich freu mich wirklich ganz doll, dich heute als Mensch hinter dem Buch kennenlernen zu dürfen und hier haben zu dürfen.

00:02:47: Bevor wir jetzt ins Gespräch starten gilt dir genau das Gleiche wie jedem anderen Kastier du darfst erstmal hier ankommen.

00:02:52: Wie kommst Du denn heute hieran?

00:02:54: Heute komme ich ganz entspannt an.

00:02:56: Heute habe ich frei, ich sitze erst morgen wieder im Büro und hab heute kein Betreuungsengpass im Gegensatz zu morgen wo eins meiner Kinder schulfrei hat.

00:03:06: Und das heißt noch ist alles gut!

00:03:08: Das klingt sehr gut.

00:03:10: da sind wir mitten im Leben unserer pflegenden Realität drin.

00:03:13: Vera du bist ja Mutter von drei Kindern unter anderem von einem Kind mit frühkindlichen Autismus.

00:03:18: Was steckt denn in deiner Welt, dass niemand sieht und das jeden Tag aber Aufmerksamkeit und Kraft braucht?

00:03:26: Das ist auch so vielschichtig.

00:03:27: Vordergründig natürlich, dass wir etwas andere Alltagsabläufe haben.

00:03:32: Dass wir viel mehr Routinen haben, weniger spontan machen können.

00:03:36: Ich zum Beispiel bin jemand, ich mach gern Sachen spontan – ich bin nicht so gut wenn alles immer gleich läuft!

00:03:42: funktioniert aber in der Familie einfach besser, wenn es so ist.

00:03:45: Dann natürlich auch das Auspendeln der verschiedenen Kräfte in dieser Familie die verschiedenen Bedürfnisse irgendwie auszugleichen sie selbst dabei nicht zu vergessen.

00:03:55: und dann finde ich schon dass wir pflegende Eltern eine ganz andere Blick auf die Zukunft haben.

00:04:00: Ich schleppe da schon Ängste mit mir rum von denen ich das Gefühl habe ich kann die gar nicht so richtig erklären wenn man nicht in der Situation ist also in unserem Freundeskreis werden die Kinder gerade alle Flüge.

00:04:10: Die Eltern kriegen viel mehr persönlichen Freiraum und das ist bei uns einfach nicht der Fall.

00:04:15: Und ich merke dann schon, dass ich manchmal am Tisch mit Freunden sitze und auch Neidgefühle habe und mich auch nicht unbedingt gesehen fühle.

00:04:23: Das sind so Sachen die schleppe ich so mit mir rum und dann versuche ich immer einen offenen Blick auf die Welt zu behalten und nicht zu sehr in meinem eigenen Kleinklein zu versumpfen.

00:04:32: Fühl' ich alles kenne ich sehr aus der Begleitung von ganz vielen Eltern auch?

00:04:36: Auch dieses Erleben im Vergleich.

00:04:38: Ich weiß nicht, ob du das auch kennst mit den drei Kindern?

00:04:42: Dein Kind mit Autismus ist das älteste Kind bei euch oder ...

00:04:45: Das ist das mittlere Kind.

00:04:47: Wir sind eine Bund-Neure, die wir Gent gemischte Familie haben aber beim mittleren Kind kommt eine kognitive Beeinträchtigung dazu.

00:04:54: Aber ihr hatt jeder seine Baustellen und es gibt viele Gespräche mit Schulen noch mit dem Regelschulsystem was ich auch als sehr anspruchsvolle Empfinde, da immer so ein Weg miteinander zu finden.

00:05:04: Absolut!

00:05:05: Und also, ich hab ganz oft das Gefühl, weil wir sind so... Unser Leben ist so anders.

00:05:10: Ich kann das kaum beschreiben, ich kann das ja manchmal selbst nicht in seiner Gesamtheit durchdringen, was hier los ist.

00:05:18: Ja, ich finde auch so manchmal ... ich kann da sehr andocken wie ich finde, manchmal geht's auch einfach zu schnell.

00:05:23: Und ich hab das, worauf ich die hinauswalte.

00:05:26: Als ich gefragt habe, welches deiner Kinder das mit der Beeilenrichtigung mit dem Autismus auch noch betrifft ... Ich glaube, wenn so ein Kind danach kommt, dass vermeintlich zumindest ein Stück neurotypischer oder normaler ist irgendwie, dann merkt man zum einen die Diskrepanz nochmal mehr und ich weiß nicht wie es dir geht aber bei mir als du gesagt hast, man hat eine Neid auf andere Familien.

00:05:45: Ich hab das nicht mehr so doll, Wie soll ich das sagen?

00:05:49: Wieso eine Melancholie, wenn ich zum Beispiel mit meinem Hund morgens in den Stadtpark gehe und alle Kinder sind schon in der Schule.

00:05:54: Und ich sehe hier irgendeine Mutti die gerade ein ganz kleines Baby hat oder einen kleinen Kind ja und der Vater hat vielleicht gerade einen Tag Urlaub oder wie auch immer und er trägt dieses Kind einfach auf den Schultern.

00:06:04: wo ich sie denke wow ist so'n winziger Moment haben wir nie gehabt.

00:06:11: So

00:06:12: irgendwie.

00:06:13: Geht's dir das auch dass du manchmal so ganz kleine Belange hast wo du merkst Krass, es ist so lapidar.

00:06:18: Aber so unmöglich irgendwie?

00:06:20: Ich kann das gar nicht auseinanderdröseln was jetzt womit zusammenhängt.

00:06:23: also unsere drei Kinder sind auch noch relativ kurz hintereinander geboren Das heißt wir hatten eh eine sehr krasse Babyjahreszeit irgendwie wo wir völlig untergetaucht sind gar nicht richtig anwesend waren.

00:06:33: Wir haben ja

00:06:34: immer mehr Ähnlichkeiten.

00:06:38: Was ich manchmal hab, ist dass ich so denke... Ich könnte gar nicht mehr so gute Hoffnung sein wie das manche junge Familien sind.

00:06:46: Weil ich ja weiß es ist gar nicht selbstverständlich, dass ein Kind sich in Anführungsstrichen normal entwickelt und dieses völlig optimistisch da rein gegen gute Hoffnungen sein an nichts denken was vielleicht irgendwie anders laufen könnte Das ist mir natürlich völlig abhandengekommen Und das unterscheidet mich.

00:07:04: Das geht mir dann schon mal durch den Kopf, wenn ich junge Familien sehe.

00:07:08: Wer weiß?

00:07:08: Also ... mein Kind kommt auf die Welt und die Hebamme sagt alles gut, alles gesund.

00:07:15: Dann begibt man sich auf eine jahrelange Reise und erfährt vielleicht erst nach fünf, sechs Jahren womit haben wir es hier eigentlich zu tun.

00:07:20: Was sind deine speziellen Herausforderungen?

00:07:23: Wenn ich bei uns auch überlege, ein Kind hat die Neurodeover ganz erst mit acht.

00:07:28: Ja!

00:07:28: Das ist

00:07:28: gesund.

00:07:30: Das ist ja trotzdem so ein latentes Empfinden, finde ich.

00:07:32: Was man als pflegendes Elternteil einfach hat, ne?

00:07:35: So eine Expertise die man entwickelt und gleichzeitig immer wieder answeifelt weil die fachliche Expertise in der Momentaufnahme nicht auf.

00:07:43: Kann nicht sein!

00:07:44: Und was ja auch noch dazu kommt also es gibt ja selten nur eine Generation in einer Familie die neu divagent ist und ich habe zum Beispiel einen Angehörigen der jetzt mit U-Sechzig eine ADHS Diagnostik durchläuft... wo ganz viele Sachen sich vielleicht jetzt erklären lassen, die immer einfach nur so als ich bin anders durchs Leben gewarbert sind.

00:08:04: Und ich finde das ganz spannend dahingehend, dass ich merke, also wie wir gerade da eintauchen in deiner Lebenswelt und wie es so ist als pflegende Mutter, dass für mich auch noch mal deutlicher wird, warum ich das so wahrgenommen habe, als ich dir folgte nach Aberliebt noch?

00:08:19: Irgendwann gesehen hab du schreibst ein neues Buch.

00:08:25: Ich hab echt damit gehadert, diese Idee irgendwie an den Elektor oder als Manuskript einzuleichen.

00:08:31: Irgendwie ist das so in meinem Kopf hängen geblieben und dann hast du es getan und straf auf Begeisterung.

00:08:35: Und dann hat's dich aber vor die Aufgabe gestellt auch schreiben zu müssen.

00:08:40: Das fand ich ganz verrückt, das zu lesen.

00:08:44: Gleichzeitig konnte ich so daran andocken weil genau wie wir gerade darüber sprechen man hat halt eine Aufmerksamkeit vermeintlich was mit Pessimismus oder viel Ängsten zu tun hätte.

00:08:57: Aber ich glaube, dass man halt vor allem ... Man hat so einen anderen Radius und eine andere Reaktionshaltung einfach zu dem, was im Leben so kommt, oder?

00:09:06: Höchstwahrscheinlich

00:09:07: schon ja.

00:09:08: Und findet das auch immer wieder.

00:09:09: Das ist ein hochdynamischer Prozess.

00:09:12: Es verändert sich ständig etwas.

00:09:14: Ich glaub manchmal würde ich gerne mal rauslassen.

00:09:18: Also einfach auch mal sagen ... Boah, es ist so ne krasse Herausforderung!

00:09:23: Ich will einfach mal ganz normal dies und das und jenes machen.

00:09:27: Und der Reflex bei Freunden ist dann aber so dieses Gutreden, ne?

00:09:31: Ja!

00:09:32: Aber guck doch mal was alles schon super läuft und aber so schlimm ist es da um beandern ist es doch viel schlimmer.

00:09:38: Das führt dann einfach zu so einem Rückzug.

00:09:40: Ich will auch nicht als Diamarmotie rüberkommen, ich will ja auch irgendwie positiv durchs Leben gehen aber manchmal muss man eben auch mal rauslassen

00:09:48: können.".

00:09:48: Und das ist so spannend ne?

00:09:49: Das ist ein großer Teil meiner Arbeit.

00:09:50: wenn wir ganz klar und achtsam mit Emotionen umgehen, dann können sie sich halt auch verarbeiten lassen.

00:09:54: Wenn wir die immer wieder mit nach Hause nehmen weil wir denken wir können das entweder den anderen nicht zumuten oder die anderen lassen es sich nicht zumutern und wollen uns schön reden wie's is' dann können wir es halt auch nicht gehen lassen, was da irgendwie so ist.

00:10:06: Sag

00:10:06: mir mal, wenn man ja so drin sind?

00:10:07: Wann kam dir die Idee zu dem Buch?

00:10:10: und kannst du dich auch erinnern, was vielleicht irgendwie so ganz dringend erzählt werden wollte an dieser Geschichte?

00:10:16: Also für mich war mit dem Die Büro Mann A war ja erstmal das Thema Mutterschaft fremdbestimmt sein durch Mutterschaften Riesenthema Und als der zweite Rumor an Anstand dachte ich okay jetzt können wir mal so richtig ans Eingemachte gehen.

00:10:29: Jetzt gehen wir mal zum Thema pflegenden Eltern schafft.

00:10:32: Ich hatte es, wenn ihr mir jetzt alle gefolgt seid durch Ava.

00:10:35: vielleicht folgt ihr mir auch durch diese Geschichte?

00:10:38: Denn bei Ava war's ja so... Das ist ein unheimlich hohen Identifikationsgrad hat dieses erste Buch.

00:10:45: das ist eine Lebensrealität die kennen wir alle fast alle Die Kinder haben.

00:10:50: und Pina ist ein bisschen spezieller.

00:10:52: und zuerst dachte ich ich schreibe den Roman einer pflegenen Mutter und ihres Erwachsenen Sohnes Und das war fast schon kamerspielartig, sehr auf diese beiden Menschen zugeschnitten.

00:11:03: Mein Ziel war aber tatsächlich, Menschen zu erreichen die eben diese Welt nicht kennen, die Tür aufzumachen und zu sagen kommt doch mal rein macht doch mal mit guckt euch um.

00:11:11: Ich hatte immer das Gefühl ... Das ging fast zwei Jahre lang so dass ich diese Leute nicht erreiche wenn in diesem Raum nur mit Pina und Leo bin.

00:11:19: Das

00:11:20: müssen wir wie du Schlüsseloch gucken, aber eigentlich sind sie nicht da sozusagen?

00:11:23: Ja genau!

00:11:25: Ich wollte es nachfühlbar machen.

00:11:28: Das war dann irgendwie dieser Kunstgriff, dass ich irgendwann geschneit habe.

00:11:31: Ja okay aber da muss die Piene ausfallen.

00:11:34: Dann kann ich erst diese Aufgabe übergeben an das Publikum sozusagen.

00:11:38: und jetzt macht was draus so.

00:11:40: Jetzt seid ihr mittendrin in dieser Welt und Leo ist allein.

00:11:43: Das hat mich viel Zeit gekostet und ich glaube auch viel zulassen.

00:11:48: Also das ist ja auch mein Worst Case-Szenario.

00:11:50: Mein Mann und ich fallen aus, wir sind irgendwann nicht mehr da.

00:11:53: was wird dann aus unserem Mittleren?

00:11:55: Denn ich für sich selbst entscheiden kann... ...und das zuzulassen.

00:11:59: Das klingt jetzt so einfach!

00:12:00: Ja, dann habe ich natürlich ein Buch geschrieben über die Mutter, die ausfällt aber so leicht war dieser Weg gar nicht.

00:12:07: Ich

00:12:07: glaube am Anfang tatsächlich mit meinem eigenen Pessimismus hab angefangen dieses Projekt zu entwickeln.

00:12:11: Da war ich selber an jetzt nicht dem allerbesten Ort.

00:12:14: Hab mich wirklich sehr allein gefühlt isoliert.

00:12:17: Es war eine ganz schwierige Zeit und saß noch die Corona-Zeit in den Knochen, wo ich das Gefühl hatte, wir werden hier komplett fallen gelassen.

00:12:26: Und es gibt gar kein Raum selbst erst mal wieder zu Kräften zu kommen.

00:12:29: Ich hatte dann viele Gespräche mit unserer Familienhilfe – und das war alles ein sehr düsteres Bild damals!

00:12:36: Dann habe ich aber selber eine große Entwicklung gemacht.

00:12:38: Ich habe gelernt um Hilfe zu bitten.

00:12:41: Ich hab mich beruflich verändert, bin wieder mehr in die Welt rausgegangen... war dann auf einmal auch als Journalistin mit ganz vielen pflegenden Familien zusammen, hab ganz viele Lebensentwürfe kennengelernt und Hoffnung geschöpft.

00:12:53: Und gedacht, nee das könnte doch was werden?

00:12:54: Dann ist mein Debyroman erschienen, es recht erfolgreich geworden ... Was waren alles so Dinge, wo ich dachte, boah, ich blick jetzt anders auf die Welt!

00:13:03: Ich kann die Geschichte nicht mehr schreiben wie ich das ursprünglich mal vorhatte.

00:13:07: Und ich will sie auch so nicht mehr schreiben weil mit einem Buch setze ich etwas in die Welt.

00:13:12: Ich werde eine Lesereise machen, ich werde mit vielen Leuten darüber sprechen.

00:13:15: Und worüber wollen wir sprechen?

00:13:17: Wollen wir beklagen oder wollen wir gemeinsam irgendwie ne Vision entwickeln und gemeinsamen Hoffnungen erzeugen?

00:13:25: Das war so meine innere Reise mit diesem Roman.

00:13:28: Als ich's gehört hab ... Ich bin sonst tatsächlich immer ein Mensch von Seiten.

00:13:33: Ich liebe das sehr Bücher in der Hand zu haben aber es hat sich einfach ergeben.

00:13:36: Ich hatte dich im Kopf mit dem Buch und dachte, guck mal ob's schon draußen ist!

00:13:41: Ich bin zu einem Freund mit einer anderen pflegenden Mama gefahren.

00:13:44: Wir haben uns in der Mitte Deutschlands getroffen, um rauszukommen aus unserem Alltag und ich habe auf der Fahrt dieses Buch angefangen zu hören.

00:13:51: Es war wirklich ... Ich war mitten in der Baustelle.

00:13:53: Ich konnte nur achtzig fahren.

00:13:55: Und bin gefahren und hab gemerkt wir kamen so sehr die Trenne.

00:13:59: Ich hab so mitgefühlt im ersten Kapitel, indem eben das ... Augenscheinig gar nicht auffällige, was Pina bewegt ist im Außen.

00:14:08: Die Kollegen die sagen kommen doch mal mit ein Bierchen trinken nach Feierabend und sie diesen unfassbaren Druck in sich hält.

00:14:17: Ja

00:14:17: genau auch ich kann mich erinnern dieses Szene.

00:14:20: Sie sitzt in der Schwebebahn Und es ist diese andere Mutter die ihr begegnet da hier ist.

00:14:24: doch mit Kindern so und so

00:14:25: Genau

00:14:27: und kennen sie ja auch haben sie auch Kinder glaube ich irgendwie.

00:14:30: und wo man so merkt Pina kennt die Situation, Mutter zu sein.

00:14:35: Aber sie kennt nicht, eine Normalität zu haben?

00:14:39: Genau und diese Mutter beschwert sich über den hektischen Morgen.

00:14:42: Und Pina hatte einen hochkomplexen Morgen aber es ist heute mal alles gut gelaufen und sie sagt einfach nur nee, unser Morgen war okay.

00:14:50: Diese Mutter geht davon aus dass Sie es derselben Lebensrealität erzählen und tatsächlich kommen Sie aus unterschiedlichen Welten.

00:14:56: genau das war mir wichtig zu zeigen.

00:14:59: Die hat ja gar nicht mehr die Hoffnung, dass jemand das verstehen kann.

00:15:02: Deswegen versucht sie gar nicht erst zu erklären wo sie eigentlich herkommt.

00:15:07: Für Sie ist völlig vorbei die Welt zu öffnen und auch reinzugehen.

00:15:10: Ich finde es so spannend wenn du grad sagst, dass Du die Erfahrung gemacht hast Es kam nach einer Episode in der Du das Gefühl hattest sehr isoliert zu sein, kam diese Öffnung irgendwie einerseits auf Dich zu.

00:15:20: aber man muss ja auch sagen, Du hast die Idee erwirkt wäre.

00:15:22: also ich meine ne?

00:15:24: Du hast dich dahin gesetzt, hast einen Buch geschrieben über Mutterschaft und den Druck darin.

00:15:28: Und hast sicher da hingehend auch verletzlich gezeigt und geöffnet.

00:15:31: Ich find das so spannend dir dabei zuzuhören weil ich finde es ist eine wahnsinnige Ermutigung grundsätzlich für Mütter und auch für pflegende Müttern zu sagen wir halten unsere Welt immer solange für unmachbar bis wir es einfach wagen was zu machen was den Gesetzmäßigkeiten trotzt.

00:15:48: absolut drei Ausrufe zeichen ja!

00:15:51: Das ist schön dir dabei geradezu zu hören.

00:15:54: Unabhängig davon, dass das Buch großartig ist, finde ich es einfach so ermutigen.

00:15:58: Dass du diese Geschichte geschrieben hast.

00:16:00: dann und das fand ich sehr berührend als ich wusste, dass du selber ein Kind mit Autismus hast.

00:16:06: Und genau dieses Setting gewählt hast, hab ich mir gedacht wow!

00:16:10: Das ist hart

00:16:11: einen Charakter zu entwickeln der einerseits ganz nah an mir dran ist und dem mich aber die Erlaubnis geben muss auch ganz weit von mir weg sein zu dürfen.

00:16:19: Es ist ganz interessant.

00:16:20: dieses Buch erzeugt ganz ganz unterschiedliche Reaktionen Und es gibt Menschen, die sagen das ist ein Wohlfühlbuch.

00:16:28: Dann erzähle ich das anderen pflegenden Müttern und die schütteln dann immer ganz heftig den Kopf und sagen aber das ist doch unser Worst Case-Szenario mit dem diese Geschichte beginnt?

00:16:36: Das ist doch weitaus so halt unserer Komfortzone.

00:16:39: Absolut!

00:16:40: Genau, so unterschiedlich wird es wahrgenommen.

00:16:42: Bei mir war's so dass sich diese Geschichte wirklich mehrfach komplett verändert hat.

00:16:46: Anfangs in den allerersten Entwürfen war der Leo acht Jahre alt.

00:16:51: Und dann habe ich aber gemerkt nie ... Mein Sohn ist zehn und ich möchte, dass der Leo sehr viel älter ist.

00:16:58: Zum einen um Abstand hinzubekommen zum anderen weil dann diese Zukunftsfrage noch viel mehr pressiert.

00:17:03: Ja

00:17:04: absolut!

00:17:05: Und weil natürlich auch mit der Volljährigkeit Hilfen wegfallen und diese Isolation da nochmal eine andere Rolle spielt.

00:17:11: Total ja und das ist auch einfach ne?

00:17:13: dieses, dass er zwanzig ist finde ich auch halt.

00:17:16: Man liest im Buch und ich glaube das unabhängig ob man pflegende Mutter ist oder einfach jemand der gar nichts mit pflegener Eltern schafft zu tun hat Leo wird ja eingeführt und der könnte acht sein.

00:17:25: Du liest diese Frühstücks- und Morgensituationen und denkst ja könnte achts sein Ja Und dann kommt irgendwann einfach die knallharte Info Er ist zwanziger Leo Luxon

00:17:34: du bist jetzt zwanzige Jahre alt Genau.

00:17:36: Und dann musst du es verarbeiten erst mal im Gehirn, und du sitzt da und denkst so okay wow das ist.

00:17:40: aber was bedeutet das wenn jemand mit zwanzig ist wie acht?

00:17:43: Ja genau ich ja... Das hat ne Autorenkollegen von mir gelesen die keinen Klappentext hatte.

00:17:47: also die wusste nicht wie alt Leo ist und steigt in den Text ein und hat an der Stelle gestoppt und mir eine Nachricht geschickt und sagte Ich hab die ganze Zeit gedacht wie bei uns.

00:17:57: ihr Sohn ist fünf und dann kommt dieser Satz Leo Lux nur bis jetzt zwanziger Jahre alt und sagt sie da ist mir alles aus dem Gesicht gefallen.

00:18:03: Alles

00:18:03: ausm Gesicht.

00:18:05: Voll.

00:18:06: Jetzt sind wir schon mittendrin, ja?

00:18:08: Ich selber ... Du weißt

00:18:09: nicht ab

00:18:09: ein Kind mit einer anderen Art von Beziehung.

00:18:11: Mein Kind kam mit Rizomi-Iv.

00:18:13: auf die Welt.

00:18:13: unser Alltag ist anders und trotzdem habe ich gemerkt dass wir eine Not teilen manchmal so, ne Dass diese Diskrepanz auch aus Alter und Entwicklungsstand aus.

00:18:23: Wie gestalte ich seine Welt damit er Selbstwirksamkeit erfährt und gleichzeitig aber auch optimale Sicherheit um sich herum hat.

00:18:30: Das hat mich sehr mit Pina verbunden und auch sehr mit dir als Autorin dahinter, die diese Realität kennen.

00:18:35: Und ich hab... Als ich da auf der Autobahn war und dann angefangen habe zu heulen und merkte, ich kann hier gar nicht rausfahren weil ich bin ja mit in der Baustelle.

00:18:42: Aber ich halt meine Aufbrenner mich unterbrochen haben, meiner Freundin nach dem Geschirr gesagt, du musst dieses Buch lesen!

00:18:46: Und ihre erste Reaktion, als ich erzählte worum es ging, war ... Nee, Indy das kann ich grad nicht.

00:18:51: mein Alltag ist gerade schon so vor, dann werde ich das jetzt lesebrechig zusammen.

00:18:55: Ich hab mich gefragt, sie hat es mit dabei gelesen und finde das genauso großartig wie ich.

00:18:58: Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass du heute hier im Interview auch bist.

00:19:02: Was kriegst du denn für Rückmeldung von den pflegenden Eltern konkret dazu?

00:19:05: Und was machen die Rückmeltungen der pflegenen Eltern auch mit dir?

00:19:09: Die

00:19:09: kommen tatsächlich jetzt erst.

00:19:11: Das Buch ist seit zehn Wochen draußen oder elf Wochen.

00:19:15: Am Anfang kam ganz andere Reaktionen viel aus dem Buchhandel.

00:19:19: Viel von Leserinnen, die Ava gelesen haben ging es natürlich um die Frage, mag ich Pina auch?

00:19:26: Und das war natürlich superaufregend.

00:19:28: Geht ihr mit mir mit diesen zweiten Romanen?

00:19:30: und dann tröpfelten langsam die ersten fliegenden Mamas ein.

00:19:33: Erst mal kam aber ganz viele Leute, die im Umfeld von pflegenen Familien arbeiten, Förderschulen, Heilpädagoginnen etc.

00:19:43: Was ich super interessant finde ist dass Leute, Realistisch, und die meinen damit die Entwicklung im Buch.

00:19:53: Was da im Buch passiert.

00:19:55: Wo ich meine, ist das wirklich unsere Frage?

00:19:57: Also können wir nicht einfach mal eine schöne... Können wir der Geschichte nicht mehr auf den wilden Rippen mitgehen!

00:20:01: Wir wollen doch was

00:20:02: erleben oder?

00:20:03: Wir wollen noch hier etwas erleben.

00:20:04: Wir wollen auch vielleicht ein bisschen lachen.

00:20:05: Vielleicht immer ein bisschen Lachen- und Heulen gleichzeitig.

00:20:08: Das ist ne Frage, die von den pflegenen Eltern überhaupt nicht kommt.

00:20:12: Da kommt tatsächlich dann eher okay, dass es jetzt mal der erste Roman ... Der in meiner Lebenswelt spielt.

00:20:19: so Ich fühl mich gesehen.

00:20:21: Und dann geht's auch sofort in den Austausch, also ich hatte auf einer Lesung neulich eine Begegnung mit einer Frau aus dem Publikum, die sich gemeldet hat und sagte, mein Leo ist dreiundfünfzig Jahre

00:20:31: alt.".

00:20:33: Da haben wir erst mal alle Pipi in die Augen gekriegt... Was macht das

00:20:36: mit dir?

00:20:36: Das macht ganz viel mit mir!

00:20:38: Ich hab sie gefragt ob wir unsere Telefonnummern austauschen können weil ich so gerne mal mit ihr quatschen würde.

00:20:44: Weil sie so viele Erfahrungen schon gesammelt hat und Fragen für dich klären musste, die bei uns erst noch kommen.

00:20:49: ihr Leo arbeitet in einer Werkstatt und ist in einer Wohneinrichtung.

00:20:55: Und sie hat da natürlich Sachen erlebt, die bei uns noch total weit weg sind.

00:20:59: Übrigens ist bei den unbeteiligten Leserinnen das Thema Werkstatte ein großes weil es eine kritische Debatte rund um die Werkstätten gibt.

00:21:09: Und dann mir zum Beispiel auch vorgeworfen wurde ich hätte ihn abgeschoben in die Werkstadt wo ich mir denke naja aber Das is die Lebensrealität.

00:21:16: also was ist die Perspektive?

00:21:18: Das ist bei uns seit der ersten Klasse ein Riesenthema, dass du an einer Förderschule mit schwerpunktgeistiger Entwicklung keinen Abschluss machen kannst.

00:21:25: Der dich für irgendwas den Weg ebnet.

00:21:29: Aber ich schweife ab.

00:21:30: aber da merkst du schon was das für eine enorm große Bandbreite ist und ich genieße es einfach Kontakt zu vielen pflegenden Eltern zu haben.

00:21:39: Ich weiß nicht wie dir das geht.

00:21:40: meine Empfindung ist häufig die natürlich gibt es die Bubble der pflegenen Eltern und es gibt die wo wir sie konzentriert und fokussiert anzupfen, weil wir wollen wissen wie haben andere den Weg Inklusion oder Förderschule gewählt.

00:21:52: Wie gehen andere mit Symptomatiken Verhaltensweisen um

00:21:55: usw.,

00:21:56: da suchen wir uns das was dienlich ist so ein bisschen.

00:21:58: Dann is am Anfang natürlich viel Orientierungsmasse so.

00:22:01: Wir wollen Beispiele dafür sehen und hören und wahrnehmen.

00:22:04: irgendwie wie kann das werden?

00:22:06: Wie wird es sein so?

00:22:07: Und das was du aber gerade beschreibst Das erlebe ich dass muss man aktiv selber gestalten, dieses mit pflegenden Eltern in einen Austausch zu gehen.

00:22:17: Indem ich sage Ich will mir nicht nur einfach was abgucken und was holen sondern ich zeige mich verletzlich damit auch du dich verletztlich zeigen kannst.

00:22:24: Ja Und ich kann dich verstehen dass du sagst ich weiß das so zu schätzen Weil ich finde dass das nämlich auch Aufbrechen kann was du eben geschrieben hast in deiner schlechten Phase Dieses Gefühl von Isolation weil wir ja gar nicht alleine damit sind.

00:22:39: Und ich glaube, das ist etwas was Pina fällt aus.

00:22:41: Gerade für Menschen die halt doch einen pflegenden Alltag haben.

00:22:44: Unfassbar gewährleistet sich nicht alleine damit zu fühlen!

00:22:47: Also

00:22:47: ich kann ja noch von zwei Reaktionen erzählen, die mich sehr bewegt haben.

00:22:51: auf Lesungen... Man merkt immer sofort wo die pflegenen Mütter im Publikum sitzen.

00:22:56: Das ist sofort in der ersten Szene wird das irgendwie klar.

00:22:58: und eine sagte, kam nach der Lesung zu mir und sagte Ich trau mich jetzt auch mal wieder mit meinem Sohn auf dem Spielplatz da aufzutreten, auszuhalten was an Reaktionen möglicherweise kommt.

00:23:10: Aufzuklären.

00:23:11: Ich habe das länger nicht gemacht ich mache das nochmal wieder.

00:23:14: und Das andere war tatsächlich so eine ganz hoffnungsvolle frage Aus dem Publikum von einer pflegenden mutter glaubst du dass dieses buch wirklich menschen in unsere lebenswelt holt?

00:23:27: also das ist es wirklich auch Eine aufklärung die der stadt findet und ich würde sagen es ist zumindest ein bewusst machen Das ganz sicher.

00:23:36: Guck mal, das bringt mich auch zu einer Frage, die ich heute an dich hatte.

00:23:40: Aber Liebnoch hat natürlich ein viel breiteres Publikum von Müttern und Eltern angesprochen.

00:23:46: Das schöne verbindende Element ist auch Pina als Mutter.

00:23:48: Ja!

00:23:49: Das teilen sie sozusagen die Leserinnen von vorher.

00:23:53: Und jetzt frage ich mich immer so ein bisschen ... Es werden viele das zweite Buch aus Liebe zu deinem ersten Text kaufen Wirklich wunderschöne Welten entwickelt.

00:24:05: Was kriegst du da wirklich für Rückmeldung?

00:24:07: Ich hab jetzt schon so ein bisschen gehört, dass mit der Werkstatt wir kritisch gesehen ... dieses Ist das denn realistisch kommt so ein bis hin zurück.

00:24:13: Aber was ist so?

00:24:14: vielleicht deine Erfahrung wenn wir auf die Außenwelt gucken von Leo, die ja reinkommt im Buch Die komischen Vögel, die er irgendwann an seiner Seite hat?

00:24:22: Wie viele komische Vöge gibt es da draußen, auf die wir mehr vertrauen dürfen?

00:24:27: Das

00:24:27: sind alle komische vögel.

00:24:31: Es ist doch immer so.

00:24:33: Also, ich geb mir da so viel Mühe, mir besondere Figuren einfallen zu lassen.

00:24:38: Dann hab' ich mich wieder in einen Fall lassen und denke mir, das ist wirklich besonders!

00:24:41: Und dann sitze ich mit irgendwem irgendwo auf irgendeiner Wartebank oder hab'n Termin als Zeitungshreporterin und sage, piekst irgendjemanden an und er fängt an, mir seine Lebensgeschichte zu erzählen und seine Denkweise... Ich denk mir so, wir sind alle komische Vögel, wir haben alle eine echt schräge Geschichte zu

00:24:56: erzählt.".

00:24:57: Das hängt ja schon an, wenn man mit Leuten über seine Familiengeschichte redet.

00:24:59: Dann merkt man absolut alle eine echt schräge Familie!

00:25:02: Es ist tatsächlich so, dass ganz viele sagen für mich ist das auch ein Buch über Gemeinschaft und Nachbarschaft.

00:25:08: Da kommen ganz viele Geschichten zusammen von eigenen Nachbarschafterlebnissen oder auch du.

00:25:15: Ich glaube ich klingel jetzt mal bei meiner Nachbarin die ist über Achtzig.

00:25:18: Ich lade sie einfach mal zum Kaffee trinken ein oder irgendwie.

00:25:21: so gehen wir mit ihr ins Gespräch.

00:25:24: Für viele ist es eben auch ein Buchtübergemeinschaft zusammenhalten, sich mal wieder annähern.

00:25:29: Mal wieder fragen wer bist du eigentlich der neben mir hier wohnt?

00:25:32: Total und ich glaube das haben wir gesellschaftlich halt sehr verlernt.

00:25:36: in deinem buch ist es ja ein bisschen erzwungenermaßen diese hausgemeinschaft mit einer kommunikation treten muss.

00:25:42: da sind auch manche dabei die wollen eigentlich gar nicht kommunizieren die werden gerne einsiedlerkrebs weiter.

00:25:49: Und ganz beispielhaft finde ich eine Szene, wo klar wird ... Ich weiß gar nicht mehr, weil der Wort laut ist.

00:25:54: Aber es ist so ungefähr ... Ich muss gar nicht klingeln oder klopfen und hab bei den Schlüssel.

00:25:59: Ich geh einfach rein?

00:25:59: Genau!

00:26:01: Oder ich lass die Tür auf?

00:26:02: Ich lasse

00:26:02: die Tür auch.

00:26:03: Ich fand das schön, wenn ich noch mal hinhöre zu dem, was du mir zu Beginn gesagt hast als du überlegt hast, ob's ein Kammerspiel wird, nur diese Pflegesituation zu erzählen, dass du gemerkt hast, ich muss für die Welt öffnen.

00:26:14: Wir öffne ja nicht nur die pflegende Welt für die anderen sondern wir öffnen unsere fliegende Welt, damit die anderen auch eine neue Welt haben, die sie mit erkunden dürfen.

00:26:24: Ja!

00:26:24: Wir schenken ja genauso was zurück – total!

00:26:27: Also ich empfinde es schon so dass die Welt in der unser Mittlerer lebt das ist schon etwas anderes als die Leistungsgesellschaft Absolut.

00:26:36: Das sagen meine anderen beiden Kinder auch manchmal, dass sie gerne so eine Schule hätten wo sie einfach selbst sein können, wo sie erst mal morgens begrüßt werden erzählen können wie der Tag gestern gelaufen ist.

00:26:48: Nicht in Noten bewertet zu werden.

00:26:50: all das und ich glaube was diese Vögel in dem Buch lernen es auch eigene Schwulligkeiten nach außen zu zeigen also wenn wir ihre Fassaden Bröckeln zu lassen.

00:27:02: Einfach mal, sich der Welt zuzumuten.

00:27:04: Leo kann gar nicht anders!

00:27:06: Der ist einfach.

00:27:07: Leo und die anderen sind ziemlich guter geworden ihre Masken zu tragen.

00:27:12: Jetzt nehmen sie die auch mal ab.

00:27:14: Ich finde es ganz spannend was du gerade gesagt hast.

00:27:16: ich erlebe es ganz häufig in der Zusammenarbeit mit pflegenden Müttern das Wenn da eine Pflegesituation ist, die sehr spezielle Routinen im Alltag.

00:27:24: So wie Leo sie auch fliegt.

00:27:26: Es gehen nur die Frosties und die müssen aufgeweicht sein.

00:27:29: Und der Löffel muss dort liegen.

00:27:30: Dass ich immer wieder merke dass Eltern zum Beispiel dann nicht Betreuung abgeben würden oder nicht jemand anders ins System zur Hilfe dazuholen weil sie das Gefühl haben Sie können es der Person nicht zumuten.

00:27:41: Und meistens ist die Frage dich erst mal stelle die zu sagen Wieso ist es dir zumutbar gewesen?

00:27:47: Ja Und häufig kommt die Antwort, ich hatte keine Wahl.

00:27:51: Dann hab' ich gesagt, kannst du's?

00:27:53: Konntest du es von Anfang an?

00:27:55: Nee!

00:27:56: Das war ganz viel Try and Error.

00:27:58: und hat das dein Kind überlebt, dass du Try-and-Error hattest?

00:28:01: Ja natürlich, macht das jetzt richtig gut.

00:28:04: Und dann kommt ganz oft diese Selbsterkennung so ein... Ach, ist das anderen auch zuzumuten?

00:28:09: Das Wort was du gerade verwendet hast ... Der Mut selber, den zu haben, dass andere Trailer Error haben dürfen und der Mut des Meinkindes aushält.

00:28:20: Und dann plötzlich gelingt nämlich auch das.

00:28:22: wir alle lernen können, dass es möglich ist, miteinander mit pflegebedürftigen Menschen und nicht pflegebedürftige Menschen zu handieren.

00:28:29: irgendwie finde ich.

00:28:29: Geht dir das auch so?

00:28:30: Dass du das Gefühl hast wie übersehen das manchmal, dass wir uns was zumuten was anderen auch zumutbar wären?

00:28:35: Das sowieso.

00:28:37: da gibt's eine Stelle im Buch wo Pina mit einer Hausbewohnerin darüber spricht.

00:28:42: Aber es ist ja nicht nur so, es ist einfach nötig sich zuzumuten.

00:28:47: Es ist auch einfach nütig zu zeigen was gehört eigentlich alles dazu?

00:28:51: weil sonst weiß das Umfeld auch überhaupt nicht was man für ein Leben hat.

00:28:55: also bei uns ist ganz abzug.

00:28:57: Wir waren am Wochenende bei Freunden die wir sehr selten sehen weil sie weit weg wohnen und deren Sohn ist mein Patenssohn.

00:29:06: und unser Sohn hatte jetzt seit Wochen Probleme mit diesem Wort Pattenkind, der dachte ich hab noch ein Kind und egal wie intensiv wir das besprochen haben.

00:29:18: Das hat den total fertig gemacht.

00:29:20: es sind Tränen geflossen und Wüstebeschimpfungen diesem Kind gegenüber Und dann wollte er regeln festlegen.

00:29:27: Ich darf nicht mit dem kind sprechen ich darf nicht neben dem Kind sitzen habe gesagt dass können wir nicht machen.

00:29:31: ich habe den seit über einem Jahr nicht gesehen.

00:29:33: ich will auch mal hören Wie ist dem so geht?

00:29:35: Dann haben wir versucht so ein modus operandi für dieses Treffen zu finden und dann habe ich zu meinem Markt gesagt ich muss den freunden das sagen Auch dass er vielleicht unflädig wird oder was auch immer.

00:29:45: Und dann sagt er, du weißt doch wie das ist zu Hause Riesendrama?

00:29:49: Die werden davon gar nichts mitbekommen.

00:29:51: Ja ich weiß es aber nicht!

00:29:52: Ich weiß es nicht.

00:29:53: und dann habe ich eine epische Sprachnachricht geschickt.

00:29:56: Und ihr wisst ja... und es ist nicht persönlich am besten gar nicht weiter drauf eingehen.

00:30:00: wir bleiben einfach fröhlich und es wird schon.

00:30:03: und dann haben die mir einfach nur so ganz knapp zurückgeschrieben.

00:30:06: Macht dir mal keinen Stress.

00:30:08: Könnt ihr das jetzt bitte sehen, dass das aber wirklich ein Thema

00:30:11: ist?!

00:30:11: Und wie war's?

00:30:12: Wir kamen dahin und von Minute eins an, es war

00:30:15: pure Fröhlichkeit.

00:30:16: Es war überhaupt kein Thema.

00:30:18: nach Wochen!

00:30:21: Dann hat das den Stress schon so abgearbeitet.

00:30:23: Da

00:30:24: war nichts mehr da.

00:30:25: Nee, ist doch gar nix mehr da... Ich fand es trotzdem gut dass ich das gesagt habe weil das eben unsere Lebensrealität.

00:30:33: Normalerweise hätte ichs wahrscheinlich tatsächlich Oder von einem Jahr oder so hätte ich es nicht gesagt.

00:30:39: Ich würde es nicht herbeireden, ich kanns auffangen.

00:30:42: wenn's vor Ort passiert, muss ich die nicht erst beunruhigen.

00:30:46: Und das ist

00:30:46: auch eine Form von krasser Heimlichkeit wo wir es halt einfach extrem zurückhalten.

00:30:51: was die Anstrengung unserer Welt.

00:30:52: Total und dann können sie uns auch keiner von den Schultern oder aus den Händen nehmen?

00:30:56: Genau!

00:30:57: Ich habe jetzt vor kurzem folge der jetzt mit großer Begeisterung Wie du weißt.

00:31:01: Ich hab dein Rehe gesehen zu den Neuerungen und Kürzungen, die die Politik vorhat im Feld für pflegende Angehörige.

00:31:07: Und ich teile sehr deine Erschütterung, die du da fühlst und das aufbegern und auch den Ruf nach Unterstützung.

00:31:14: Im Buch also bei Pina fällt aus wird das System versagen ja ebenfalls sehr deutlich.

00:31:18: Für mich v.a.

00:31:19: in so einer Szene mit den Polizisten als Pina ausgefallen und verschwunden ist.

00:31:23: Mit der älteren Hausbewohnerin sprechen die Leo zwar kennt ihn aber gar nicht vollumfänglich betreuen kann.

00:31:30: Da ist diese unfassbare Fehleinschätzung und Diskrepanz aus, ja aber der ist doch erwachsen.

00:31:38: Im Kontrast zu diesem Ja, aber er braucht Hilfe!

00:31:42: Wir brauchen Hilfe um diesen Menschen im Haus hier... vermeintlich überleben zu lassen.

00:31:49: Das ist der unausgesprochene Sorge darin.

00:31:51: so, geht das hier gut?

00:31:54: Genau!

00:31:54: Und gleichzeitig zeigt die Geschichte ja auch den Mut auf diese Befähigung von Menschen mit Behinderung und ihrem Umfeld vielleicht mehr zuzutrauen.

00:32:03: Wie ist denn dein Blick darauf in deiner realen Position als pflegende Mutter was dieses Zutrauen an unsere Pflegebedürftigen Kinder angeht und auch gleichzeitig dieses System ... zurücknimmt und sagt, sind wir nicht zuständig.

00:32:17: Ja oder auch das System, dass er bevormundet?

00:32:20: Also wie gesagt bei uns war dann mit der Förderschule geistige Entwicklung von Klasse eins an klar naja und danach geht's in die Werkstatt und so.

00:32:26: und ich hab gedacht irgendwann mal der ist jetzt sechs Jahre alt können wir bitte dieses Thema?

00:32:30: also können wir die Frage bitte offen lassen wie es irgendwann weitergeht?

00:32:35: Das finde ich unsere größte Herausforderung.

00:32:37: nur wir können das irgendwie.

00:32:39: Wir sind die Case-Manager wenn du so willst.

00:32:44: Das ist vielleicht unser wichtigster Job, dieses Auspendeln zwischen was kannst du selbst?

00:32:49: Was kannst du nicht selbst.

00:32:51: Wo beginnt deine Bevormundung?

00:32:53: Was probieren wir jetzt mal aus?

00:32:54: Es sind für mich auch die wichtigste, spannendste komplizierte Frage und die, die mich wach hält nachts!

00:33:01: Das ist ein krasses Spannungsfeld,

00:33:02: ne?!

00:33:03: Total!

00:33:04: Wie tarierst Du das für Dich aus?

00:33:06: Wo merkst Du... das traue ich zu oder manchmal traue auch vielleicht eigentlich noch zu wenig zu, obwohl mehr ginge.

00:33:12: Ganz oft ist das Gefühl von einem freien Fall!

00:33:15: Erst mal sind das natürlich die Baby-Steps im Alltag.

00:33:18: also hier ist gerade großes Thema kann nicht allein zum Schulhof nachmittags hochfahren.

00:33:22: wir haben ja eine Grundschule direkt eigentlich schräg gegenüber aber trotzdem kann ich das

00:33:28: zulassen?

00:33:30: Wir haben keine Weglauftendenz, aber wir haben schon auch mal sich so verlieren im Moment.

00:33:35: Und wenn dann vielleicht irgendwer sagt, komm mal mit ganz viele Ängste, riesengroße Ängsten, aber auch ein enormes Autonomiebedürfnis?

00:33:43: Wie gehe ich damit um?

00:33:44: und jetzt ... Dann haben wir mit Walkie Talkies rumprobiert.

00:33:47: Ich meine, ich bin in zwei Minuten da, ne?

00:33:48: Im Stechschritt auch kürzerwend sein muss!

00:33:51: Ja, es fühlst

00:33:52: du mit dir.

00:33:53: Am liebsten würde ich irgendwo oben an einem Ausguck stehen Und noch einen Blick drauf haben irgendwie, aber das ist total wichtig.

00:34:00: Das wird sicher in viel größeren Fragen fortsetzen.

00:34:03: Wie gehen wir mit Berufswünschen um?

00:34:05: Oder wie hatten neulich eine Situation?

00:34:08: mein Mitlarer träumt schon vom sämtlichen Automodellen, die er irgendwann mal fahren würde... Oh Gott!

00:34:12: Ich habe gerade

00:34:13: diese Geschichte auch für uns im Kopf gehabt.

00:34:14: ...und dann sagt der große Bruder du wirst nie Auto fahren.

00:34:18: Das war hart.

00:34:19: Das was verdammt hart.

00:34:21: Ich fühle so mit ihr, unser Kind hat erst ... Was heißt erst?

00:34:24: Der war trotzdem früh für seine Verhältnisse.

00:34:26: Er hat mit zweieinhalb angefangen zu laufen und in der Entwicklung dahin hat er eine große Begeisterung für Rutschautos.

00:34:32: Keine Abteil.

00:34:33: So für Bobby Kahrs oder so.

00:34:35: Und der kann auch bis heute wirklich ... Also da macht ihm keiner was vor.

00:34:38: Dieses Kind kann besser rückwärts einpacken als jeder else.

00:34:41: Der kann mit Fahrzeugen handieren.

00:34:42: Das ist der Wahnsinn!

00:34:44: Ja?

00:34:45: Und das ist tatsächlich auch immer was so... ich würde nicht sagen, ich hab dann Angst, sondern es ein eher trauriges Mitgefühl, was ich empfinde.

00:34:53: Weil ich weiß das kann ich ihm nicht gewährleisten und ich weiß es kann auch ne?

00:34:58: So Ich nehme jetzt ja wahr dein Kind ist in Sprache anders entwickelt als meins.

00:35:01: Es kann das anders erfassen als Mainz Ne?

00:35:04: Mainz kann das natürlich noch gar nicht so verbalisieren oder so konkretisieren Und trotzdem wird der Wunsch irgendwann da sein.

00:35:10: Also ich sehe dass er an den Geschwister Kindern die zwei Jährige sind Die ihn jetzt überholen und die halt bei uns im Garten hält Da wo die Schule auch ist Fahrrad nehmen dürfen rausfahren dürfen und ihre Runden bis zum Spielplatz uns zurückfahren dürfen.

00:35:21: Wenn er fahren will, dann musst du bitte kurz fünf Minuten warten und dann nehmen wir unser Fahrrad und fahren mit dir eine Runde?

00:35:27: Genau!

00:35:28: Das ist überhaupt so.

00:35:29: ein großes Thema finde ich.

00:35:30: also Fahrradfahren lernen das war ein gigantisches Familienprojekt Und bei Beherrschung des Fahrrats sind da noch lange nicht bei Verkehrsregeln beachten.

00:35:41: Das ist jetzt auch so ne Frage.

00:35:43: Also die kleine Schwester macht nächstes Jahr die Fahrradprüfungen Dann darf sie auch auf der Straße fahren.

00:35:49: Er möchte das auch, es gibt aber keine Fahrradprüfung an seiner Schule.

00:35:53: Das sind so Sachen die ich ja auch irgendwie blöd finde, so blinde Flecken, Lücken irgendwie

00:35:59: ... Voll und vor allem sind sie nicht einheitlich.

00:36:01: Es gibt durchaus Förderschulen, die sowas im Blick haben.

00:36:03: Es gab Förderschuhe, die viel alltagstaugliches Lebenstraining in der Umgebung machen.

00:36:08: Wenn du eine Fördersschule im Gewerbegebiet hast, was willst du da?

00:36:12: Genau!

00:36:13: Das war etwas, was wir rausfinden mussten, dass jede Schule da anders ist.

00:36:17: Volllich.

00:36:18: Also, das macht es ja auch alles zum ersten Mal.

00:36:21: oder Thema Schwimmen lernen.

00:36:24: Wir sind ein Jahr lang jeden Samstag insgesamt anderthalb Stunden Auto gefahren zu so einem kleinen Leerschwimmbäcken weil in dem normalen Schwimmbadbetrieb.

00:36:33: mit tausend Leuten drüben herum wäre das überhaupt nicht möglich gewesen.

00:36:37: und das sind auch alle so Sachen dass jeder wurscht sich durch jeder sucht so seinen Weg.

00:36:42: für andere läuft das nebenbei und das war bei uns echt großes Lebensprojekt.

00:36:46: Guck mal, damit sprichst du grad was an.

00:36:48: Was ich glaube auch vielen nicht bewusst ist, die nicht pflegen und was andererseits gleichzeitig einen Riesenschmerz für pflegende Eltern ist diese Anstrengung in Alltagsbelangenen, die wir in Kauf nehmen und damit das System an allen Ecken und Enden entlastet, wo es uns nicht entgegenkommt?

00:37:07: Absolut!

00:37:08: Es gibt keine klare Leg-.

00:37:09: also bei unserem neurotypischsten Kind... Der geht in die Kita und klar, der geht nachher in ihre Grundschule.

00:37:16: Wenn das meine einzige Erfahrung mit Kind wäre ... Hätte ich mir nie die Frage gestellt so was gibt's für Schulform?

00:37:24: Ja!

00:37:24: Bin ich damit einverstanden dass er auf diese ortsnahe Schule geht oder hätte ich eine andere gewählt?

00:37:29: also da bin ich auch nicht elitär genug gestrickt um irgendwie zu gucken ob ich noch ne Privatschule gewählt hätte oder so.

00:37:35: na wären ja auch Möglichkeiten die auch für normale Eltern mit normalen Kindern da werden.

00:37:40: vermeintlich Du weißt, was ich meine.

00:37:43: Der Weg ist völlig vermeintlich und ich weiß es nicht stimmt?

00:37:47: Ich betreue auch ganz viele Eltern die eben keine Pflege betreiben Aber er ist so gradlinig und komplikationslos Und all die Komplikationen, die wir haben bewältigen wir heimlich.

00:37:57: Genau das!

00:37:58: So wenn ich jetzt nur meine Jüngste hätte Erstens mal hätt' ich ein unglaubliches Selbstbewusstsein.

00:38:04: als Mutter würde mir wahrscheinlich von morgens bis abends auf die Schulter klopfen sagen Boah wat?

00:38:07: Ich find toll den Job mache So... Jetzt weiß ich

00:38:11: Die kommen einfach,

00:38:12: die sind so wie sie sind.

00:38:15: Das andere ist ich hätte dieses Schulsystem ... Ich dribbel das ja jetzt gerade durch mit meinen anderen Kindern.

00:38:22: auch das Regelschulsystem da müssen wir ständig ins Gespräch gehen Lösungen finden miteinander zusammenarbeiten.

00:38:29: Ich brauche dieses System, ich lerne dieses System sehr intensiv kennen und kann ein ganz anderes Urteil darüber fällen weil wie es unter Druck reagiert, was es leisten kann und nicht.

00:38:42: Hast du sehr schön gesagt?

00:38:43: Ja.

00:38:43: Kann ich auch!

00:38:45: Man dehnt die Gesetzmäßigkeiten immer ein Stück weit aus und sieht selber wo das an die Belastungsgrenze kommt.

00:38:49: Ganz genau.

00:38:50: Das sind noch mal völlig andere Einblicke.

00:38:51: Völlig.

00:38:52: Und ich finde ja an der Stelle halt diese Vermessenheit zu sagen wir kürzen euch Dinge, die ihr braucht um normal durch den Alltag zu kommen sei es Fahrdienst, sei es Schulbegleiter.

00:39:01: wie auch immer Es ist eine Kürzung.

00:39:05: wenn die so genau mit allem so kommen würde Wie es gedacht ist, straft sich das System selber so dermaßen damit ab.

00:39:13: Weil an allen Ecken und Enden plötzlich Menschen ausfallen werden... Ja!

00:39:17: ...die das System am Laufen gehalten

00:39:18: haben?

00:39:19: Absolut!

00:39:20: Ich weiß nicht ob du die Autorin-Kolleginnen vielleicht kennst, Marika Fallwicker hat das Buch und alle so stillgeschrieben, in dem dass er auch in Fragen des Elementes war, was es wenn all die Kehrarbeitleistenden einfach aufhören.

00:39:31: Aber die hören ja nie auf.

00:39:33: Wir hören ja nicht auf sondern es geht einfach auf unsere Knochen Und wir machen dann unter schlechteren Bedingungen weiter.

00:39:40: Guck mal, ich finde ganz spannend.

00:39:42: eine Frage, die ich heute auch noch an dich stellen wollte und die auch irgendwie wichtig ist, finde ich ... Es ist ja so, dass wir auch viel weitermachen und auch Pina sehr über ihre Grenzen geht, dass sie in den absoluten Notausfall ihres Körpers verkommt.

00:39:55: Also da geht nichts mehr.

00:39:56: Das weg!

00:39:57: Ich find das, wie als pflegende Eltern manchmal eben diesen Pessimismus haben, über dem wir zu Beginn gesprochen haben, wo wir nicht das Vertrauen haben, wenn ich nicht mehr da bin?

00:40:07: Wer hilft dann?

00:40:09: Das geht uns ja so ein bisschen ab.

00:40:11: Und ich hab in deinem Buch natürlich super viel Ängste mit ausgestanden, ich habe super viel geweint und auch wahnsinnig viel gelacht.

00:40:19: selbst gemalte Bust-Tickets.

00:40:20: Das war wirklich ... das hat mich gekillt!

00:40:23: Wunderschönes Buch an der Stelle lest es wirklich.

00:40:25: Ich kann's euch nur sagen, deshalb tisere ich euch immer aus den Sachen an weil es wirklich unfassbar gut ist... Und ich finde, dein Buch hat etwas aufgezeigt was natürlich die Frage von Ist das realistisch in der Entwicklung?

00:40:36: Kann ich verstehen?

00:40:38: Dein Buch hat aufgezeigt, im Grunde sind Menschen gut.

00:40:41: Wenn wir sie lassen haben Sie die Qualität gut zu sein.

00:40:45: Es gibt auch einen Charakter der sehr hadert ... So!

00:40:50: Mein Heimlichter ist

00:40:52: da.

00:40:52: Ich liebe sie.

00:40:53: Ich liebe sie sehr von Herzen und Leo liebt sie auch von Hercen.

00:40:57: aber ich finde halt das Besondere ist so dieses auch moralische Grenzen auszuloten was es denn wirklich gut ist und was es nicht gut ist.

00:41:04: Und darin zu merken Ja, es gibt das Gute im Menschen.

00:41:08: Wie schaust du denn?

00:41:10: Unabhängig vielleicht auch vom Buch auf Menschen und auf Zukunft wenn Du uns als Gesellschaft wahrnimmst?

00:41:15: Ich

00:41:16: mache jetzt dieses Lovefest-Lesetour für Pina, wo ich ja mit unheimlich vielen Menschen in Kontakt komme Und das sind sehr schöne Erlebnisse.

00:41:25: Dann erzähl ich aber auch aus meinem Alltag bei der Zeitung über Geschichten, die gut ausgegangen sind oder wo sich Schicksalsgemeinschaften gebildet haben, weil es gibt sie wirklich im wahren Leben und es gibt Menschen, die sehr weit aus ihrer Komfortzone rausgehen um anderen zu helfen, obwohl sie die gar nicht gut kennen.

00:41:44: Das passiert!

00:41:45: Wir erkennen die Not der Anderen schon auch... Ja?

00:41:48: Die Hemmschwellen sind manchmal sehr groß.

00:41:49: man will auch niemandem zu nah treten.

00:41:52: Aber wir sind soziale Wesen und wissen eigentlich, was richtig ist.

00:41:57: Wir erzählen uns auf Social Media, weil dort Empörung so unheimlich gut funktioniert.

00:42:02: Erzählen wir uns den lieben langen Tag wie schlecht wir sind, wo wir versagen, was wir nicht geschissen kriegen?

00:42:06: Wir kriegen aber auch viel echt Gutes hin!

00:42:09: Und diese Geschichten müssen wir uns voneinander erzählen.

00:42:13: Total.

00:42:13: Was hast du für dich verstanden als du diesen Roman entwickelt hast ... was hast du verstanden, als die komischen Vögel plötzlich da waren und bereit standen?

00:42:27: Also ich hab ja selber große Hemmungen um Hilfe zu bitten.

00:42:29: Und will niemandem zur Last fallen.

00:42:31: Ich glaub über die Vögle verstanden.

00:42:34: das ist ein Privileg es helfen zu können.

00:42:36: Wow!

00:42:38: Mhm.

00:42:39: Das wissen wir doch alle selber von uns.

00:42:40: Wenn wir mal irgendwann im Not geholfen haben dann haben wir nicht hinterher gesagt Ja, dann habe ich dem halt geholpen.

00:42:47: der is mir hoffentlich auch ewig dankbar.

00:42:49: Sondern dann sagen wir doch eher, er hätte gut getan.

00:42:52: Es war schön, dass ich jemandem so wichtig war in dem Moment.

00:42:57: Dass ich was richtig Gutes machen konnte!

00:42:59: Was sind Empfinden von authentischem Stolz und Mitfreude?

00:43:01: Und das macht uns sehr resilient als Gesellschaft für mich.

00:43:04: Das ist häufiger fühlen, das stimmt.

00:43:07: Wenn du etwas radikal am System verändern dürftest, wäre ... Etwas ausfallen lassen dürft es damit Es allen die Möglichkeit gäbe dazu zu lernen.

00:43:16: Was wäre das und was würdest du dir erhoffen, welche Fähigkeit wir dadurch erlernen?

00:43:21: Ich finde... Wir stehen alle zu sehr unter Druck!

00:43:25: Wir funktionieren alle so sehr, wir sind sehr streng, wir haben sehr strenge Regeln aufgestellt wie der Mensch sich wann entwickeln soll.

00:43:34: Und ich selbst empfinde es als Riesenverlust dass mein Mittleres Kind, nach der Kita abgebogen ist in eine völlig andere Richtung ans andere Ende der Stadt.

00:43:44: Weit weg von allen anderen Kindern in diesem Stadtteil die selbst unter einem großen Druck in ihrem Regelschulsystem funktionieren müssen und selbst alle ihr Päckchen zu tragen haben.

00:43:53: In meinem Freundeskreis wenn ich alle meine Freunde an ihren Tisch sitze wir sprechen über unsere Kinder da es keine Familie die nicht mit Psychologen zu tun hat Schulprobleme.

00:44:02: Es gibt in jeder Familie etwas Verdachtsdiagnosen etc.

00:44:06: pp.

00:44:07: Und es geht im Prinzip unter dem Strich immer darum, dass die Kinder in diesem Schulsystem funktionieren.

00:44:12: Ich würde das Ding komplett auf links drehen und nicht trennen.

00:44:16: Ich würd' alle Kinder zusammenlassen... ...und ich würde diese Vielfalt des Menschseins feiern.

00:44:23: Was erhoffst du dir?

00:44:24: Was wird dann vielleicht wieder allangem?

00:44:27: Vielleicht ein bisschen zu den Werten zurückkehren, die wirklich wichtig sind im Leben.

00:44:30: Also nicht besonders produktiv zu sein von der Wiege bis zur Barre auf einer geraden Linie zu laufen!

00:44:36: dass wir das alles ein bisschen weniger wichtig nehmen.

00:44:39: Ja, Vera es war mir ein Fest mit dir zu sprechen!

00:44:43: Ich könnte mir

00:44:43: auch

00:44:44: stundenlang mit dir reden und alles Wunderschönes und ich ist sehr mag und dich als Mensch in dieser kurzen Zeit sehr schätzen gelernt habe und auch all deine Charaktere die du erfinden kannst sehr geschätzt gelernt hab.

00:44:56: und dieses schreibende Herz was du hast is einfach ein schönes.

00:44:58: Ich hoffe dass du uns noch ganz ganz vielen wundervollen Geschichten bereichern wirst in deiner Lebenszeit Und das All, was du da durchverstehst und lernst eben auch lernen und verstehbar für andere wird.

00:45:09: Ich danke dir von der Zeit heute ins Rahmen hier wirklich eine Freude dich dazu haben!

00:45:13: Vielen Dank, Yini.

00:45:14: ich bin sehr berührt und werde noch lang an unser Gespräch denken.

00:45:19: Bis ganz

00:45:20: bald!

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